|
Windenergie
Auf dieser Seite finden Sie Zeitungsartikel zum Thema
in chronologischer Reihenfolge (der älteste an letzter Stelle).
Hier haben Sie die Möglichkeit Fotos von den Windrädern
(u.a. Aufbau) Bretzenstein und Sassendorf zu betrachten.
Zeitungsartikel zum Thema Windenergie
- Artikel zum Aufbau des
Windkraftwerkes Bretzenstein bei Ebern (©
FT, 17.9.1999):
Windrad-Aufbau auf Bretzenstein ein sehenswertes Spektakel
UNTERMERZBACH. Reger Betrieb herrschte am Mittwoch auf dem Bretzenstein bei Recheldorf,
wo die Teile des Windrades zusammengefügt wurden. Die neue Landmarke steht bereits zu wesentlichen Teilen.
Kaum waren die vier Tieflader mit den Turmteilen angekommen begann der Aufbau. Ein Turmteil wog rund
30 Tonnen, das der Autokran scheinbar mühelos hochhob und passgenau setzte.
Der fünfte Tieflader mit den Rotorblättern hatte es gerade noch bis Breitengüßbach geschafft;
Schertransporte über 50 Tonnen dürfen nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr
fahren. Zwei Nächte hatte die Fahrt von Magdeburg zum Recheldorfer Berg.
Die Gewichte der Trumteile sind gewaltig. Einige Zahlen: Mastgewicht 120 Tonnen;
Gondel und Rotorblätter 113 Tonnen; das Fundament stemmt sich mit rund 1000 Tonnen dagegen.
Gesellschafter Klaus Hellgoth hatte es sich in seinem provisorischen Büro gemütlich gemacht und überwachte die
Aufbauarbeiten. Großes Lob erhielt er von den Arbeitern des Windradherstellers Enercon, die ihm eine hundertprozentige
Waagerechte des Turmußes bescheinigten.
Als die Turmteile aufeinandergestellt waren, fing es an zu knacken. Das
Geräusch rührte von den hydraulischen Schraubern, welche die Schrauben auf minus 10 Prozent anzogen.
Erst dann konnte das Maschinenhaus um 20 Uhr fast bei Dunkelheit hochgehievt werden. (siehe Bild)
Weiter geht es wahrscheinlich erst am Mittwoch,
22. September, mit der Montage der Rotorflügel und des Stators, weil Teile
fehlen. Die EVO war ebenfalls vor Ort und wird den Anschluss an die Freileitung am Donnerstag herstellen.
Die Aufbauarbeiten fanden beachtliches Interesse in der Bevölkerung. Sogar
ein Imbisswagen stand zu deren Verpflegung bereit und machte ein gutes Geschäft.
Ist das Windrad endlich montiert, beginnt der Probebetrieb, der
maximal vier Wochen in Anspruch nimmt.
Dann wird das Windrad in Fernüberwachung des Herstellers integriert, der Messungen
bis in die Flügelspitze überwachen kann.
Die offizielle Einweihung soll am Sonntag, 17. Oktober, um 10 Uhr erfolgen.
schm
- Artikel zu den
geplanten Windrädern Bretzenstein (Untermerzbach) und Hollstadt
(LK Rhön-Grabfeld) (©
FT, 17.7.1998):
Regierung schiebt Windkraft an
Bei Raumordnung positives Urteil aus Würzburg für Anlage
oberhalb von Hemmendorf
HEMMENDORF. Zwei weitere Windkraftprojekte haben die Hürde
der Raumordnung bei der Regierung von Unterfranken genommen. Standorte der
jeweils in privater Trägerschaft geplanten Anlagen sind einmal
der Obere Berg bei Untermerzbach im Landkreis Haßberge und
zum anderen Hollstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld. In Betrieb gehen können
sie allerdings erst, wenn die zuständigen Landratsämter eine entsprechende
Baugenehmigung erteilt haben.
Die Anlage in Hemmendorf bei Untermerzbach gehört mit einer Nennleistung von
1500 kW und einer Gesamthöhe von ca. 100 m (Nabenhöhe 67 m,
Rotordurchmesser 66 m) zu den derzeit größten auf dem Markt
befindlichen Windkonvertern. Die Lage in der Schutzzone des Naturparks
Haßberge stellte sich als Hauptproblem im Rahmen der landesplanerischen
Überprüfung dar. Letztlich entscheidend dafür, daß die
Bedenken im Hinblick auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds der
Haßberge überwunden werden konnten, war die Zustimmung des Vereins
Naturpark Haßberge zu dem Vorhaben. Deshalb sah die Regierung keinen
Anlaß, von dem positiven Votum des Naturparkvereins abzuweichen.
Bei
der zweiten Anlage, die nordöstlich von Hollstadt im Landkreis
Rhön-Grabfeld geplant ist, war das Gewicht der Beeinträchtigung, die von
dem Windkonventer auf das Landschaftsbild ausgeht, vergleichsweise niedrig
anzusetzen. Es handelt sich dabei um einen Standort in einer ackerbaulich intensiv
genutzten Gegend, die überdies in unmittelbarer Nachbarschaft des
Windkraftstandorts durch landwirtschaftliche Wohn- und Betriebsgebäude zweier
Aussiedlerhöfe erheblich vorbelastet ist. Möglicherweise auftretende
Lärmschutzprobleme der 500-kW-Anlage (Nabenhöhe 65 m, Rotordurchmesser
40 m, Gesamthöhe ca. 85 m) werden im Baugenehmigungsverfahren am Landratsamt
Rhön-Grabfeld entschieden.
Somit wurden in Unterfranken nun schon
insgesamt neun Windkraftvorhaben der landesplanerischen Überprüfung
unterzogen. Davon endete bisher nur ein einziges Verfahren negativ; in zwei
Fällen wurden die Verfahren mit Zustimmung der Projektträger eingestellt
bzw. ausgesetzt. Positive Raumordnungsergebnisse liegen für immerhin sechs
Windkraftvorhaben vor. Dennoch ist zur Zeit noch keine einzige Anlage im Bau.
Nach wie vor sieht die Regierung von Unterfranken mit Interesse dem Zeitpunkt
entgegen, an dem sich das erste großtechnische Windrad in Unterfranken
drehen wird.
- Artikel zum geplanten Windrad Bretzenstein (© FT, 19.2.1998):
Entsteht erstes Windrad Unterfrankens nahe Bezirksgrenze?
Pläne für Projekt im Itzgrund an Nahtstelle zu Oberfranken nehmen Formen an. Nächste Genehmigungshürden stehen in April-Sitzungen bevor.
UNTERMERZBACH. Über 40 Interessenten nahmen an einer Aufklärungs- und Informationsveranstaltung der im Aufbau befindlichen "Betreibergemeinschaft Windrad Bretzenstein" teil. Der Referent des Windrad-Herstellers "Enercon", Joachim Keuerleber, lieferte auch bei schwierigsten technischen Fragen kompetente Antworten. Ebenso wurde die betriebswirtschaftliche Seite anhand eines Musterbeispiels dargestellt.
Initiator Erich Grell aus Recheldorf skizzierte seine bisherigen Bemühungen bei der Einholung von Genehmigungen seitens der zuständigen Behörden. "Hier heißt es Ausdauer mitbringen", sagte er als ehemaliges Gemeinderatsmitglied und aktiver Landwirt in Ruhe. "Bisher hat mich der Mut nicht verlassen. Ich bin bereit zu kämpfen, solange es sinnvoll ist!" Alle bisherigen Aufwendungen wurden von ihm privat getragen.
Energieeinsparung als Ziel
"Vor der Erzeugung regenerativer Energie ist es sinnvoll, elektrische Energie zu sparen. Dadurch erhöht sich der Beitrag der regenerativen Energieerzeugung an der Gesamterzeugung", leitete Joachim Keuerleber ein und ging auf den prinzipiellen technischen Aufbau der geplanten Anlage ein. Als Langsamläufer mit 8—22 Umdrehungen pro Minute würden Optik und Akustik weitgehend geschont und der Verschleiß, obwohl schon getriebelos, minimiert. Durch ausgeklügelte Steuerungen und Stellmotoren (die einen geringen Teil der erzeugten Energie verbrauchen), können die drei Rotorblätter jeweils einzeln um 90 Grad gedreht und somit aus dem Wind genommen werden; Bremsen und damit Verschleißteile entfallen bei diesem Konzept. In den Rotorblättern ist ein Blitzschutz enthalten.
Zum Standort Bretzenstein
Ausführlich diskutiert wurde die Glaubwürdigkeit des Windgutachtens des Büros aus Dresden. Hier konnte Keuerleber darauf verweisen, daß die von diesem Büro für andere Standorte erstellten Gutachten in der Realität positiv übertroffen wurden. Grell ergänzte, daß das gleiche Büro für den Standort Memmelsdorf ein negatives Gutachten erstellte. "Prinzipiell sind Bewuchs und Rauhigkeiten des Geländes durch die Masthöhe ausgleichbar", sagte Keuerleber, "aber der Bretzenstein ist und bleibt ein Schwachwindstandort und ist nicht mit unseren Küstenregionen vergleichbar."
Betriebswirtschaft für Windmüller
Das Investitionsvolumen beträgt ca. 3,5 Mio. DM. 75 Prozent des Kapitals können durch zinsgünstige, aber auch relativ schnell rückzahlbare Darlehen unter der Federführung der Deutschen Ausgleichsbank aufgebracht werden. Die restlichen 25 Prozent sollen idealerweise durch Eigenkapital eingebracht werden. Inwieweit sich die Öko-Bank engagieren möchte, wird noch von Grell geklärt. Eine Landesförderung in 1998 tendiert gegen Null, Förderprogramme des Bundes gibt es nicht mehr. Wenn man allerdings sehe, wie die Betreibergemeinschaft Sassendorf im nahen Kreis Bamberg jetzt durch ehemals zugesagte Fördermittel des Bundes in die Enge getrieben und sogar in die Gesellschaftsform hineingeredet werde, seien private Kapitalgeber (seien es Gesellschafter oder stille Beteiligungen) aus der Region vorzuziehen. Wenn in der Region nicht genügend Kapitalgeber gefunden werden, "kann man immer noch in die Ferne gehen", meinte Grell und wunderte sich über das Verhalten der Banken, die mit drei bis vier Prozent Eigenkapital Geschäfte machen, während sie von Kunden 25 Prozent Eigenkapital verlangen.
"Mit dem geplanten Windrad ist voraussichtlich nicht das große Geld zu machen", meinte Keuerleber, "aber eine angemessene Verzinsung von vier Prozent ist in Abhängigkeit vom Ausschüttungs- und Rücklagenkonzept der Betreibergesellschaft allemal drin."
Gewisse Unsicherheiten bestünden noch bei der Entwicklung des Energieeinspeisungsgesetzes. Zunächst bis nach den Bundestagswahlen zurückgestellt lauten die Prognosen von "der Energiepreis fällt" bis zu "der Energiepreis steigt". Hierin liege ein unternehmerisches Risiko der Betreibergesellschaft. Auch die Fünf-Prozent-Deckelung für regenerative Energien im Rahmen des Energiewirtschaftsgesetzes hänge noch im Vermittlungsausschuß und berge Risiken.
Für Steuergeplagte gebe es jedoch auch gute Nachrichten: nach den bisherigen Finanzierungsmodellen seien Verlustzuweisungen für die ersten 6 Jahre wahrscheinlich.
Regionalpolitiker gefordert
Die überwiegend positiven Aussagen der betroffenen Behörden wird den Fortgang des Genehmigungsverfahrens durch das bisherige "Nein" der Unteren Naturschutzbehörde bremsen. Der Naturpark Haßberge sowie der Umweltausschuß des Kreistags haben sich das Windrand auf ihre April-Sitzug gesetzt. Kreisrat Ekkehart Koser wird sich dafür einsetzen, "daß als Ergebnis schleunigst offizielle Stellungnahmen abgegeben werden". Letztendlich muß das Windrad von der Regierung Unterfranken genehmigt werden.
Hoffnungsvoller Anfang
23 Interessenten haben sich spontan in die Liste der im Aufbau befindlichen Betreibergemeinschaft eingetragen. In diesem Kreis sollen Details wie z. B. Angebotsvergleiche und Gesellschaftsformen vorgetragen werden, die sich nicht für öffentliche Veranstaltungen eignen. Erich Grell schloß mit den Worten: "Jedes Unternehmen hat ein Risiko. Geht es schief, dann habe ich mein Geld in den Wind gesetzt!"
schm
- Artikel zum (bei der Veröffenlichung) geplanten (, aber inzwischen schon in Betrieb genommenen) Windrad bei Sassendorf (© FT, 18.2.1998):
Bild (rechts): Windrad Sassendorf bei Inbetriebnahme Ende Juli 1998
Aktion "Bürgerwindrad" erhofft weiteren Aufwind
Nach Informationsabend am Montag gibt es schon potentielle Geldgeber für 500 000 DM. Suche nach Investoren geht weiter.
Die Zahl der Bürger, die ihr Scherflein dazu beitragen wollen, daß in Kürze ein Windkraftrad bei Sassendorf (Lkrs. Bamberg) gebaut werden kann, ist auf 105 gestiegen. Am Ende der Informationsveranstaltung, zu der die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz und der Verein "Vierether Kuckucksei" am Montagabend in das Gemeindehaus St. Josef im Hain eingeladen hatten, unterzeichneten 46 Teilnehmer eine sogenannte Reservierung. Sie erklären damit ihre Absicht, sich mit einer bestimmten Summe an dem Projekt zur Gewinnung umweltfreundlicher Energie zu beteiligen und Gesellschafter der Aerius Windkraftanlagen Beteiligungsgesellschaft mbH zu werden. Damit haben Bürger insgesamt schon 500 000 DM für die umweltfreundliche Investition in Aussicht gestellt.
Zwei Beteiligungsmöglichkeiten am "Bürgerwindrad" Sassendorf stellten die Referenten des Abends dem — überwiegend männlichen — Publikum vor: Eine stille Beteiligung von 1000 DM ohne jede steuerlichen Vorteile, oder eine Mindesteinlage von 5000 DM mit der Möglichkeit der Verlustabschreibung. Nach oben sind der Investition der einzelnen Gesellschafter keine Grenzen gesetzt, machte BN-Kreisvorsitzender Dr. Ludwig Trautmann-Popp gleich zu Beginn deutlich. Als Rendite für die Geldgeber wurden über die gesamte Laufzeit von 18 bis 20 Jahren vier Prozent angesetzt — "sehr vorsichtig gerechnet", so Trautmann-Popp.
Vielzahl und Art der Fragen aus dem Publikum zeigten, daß viele Zuhörer sich schon mit der Energiegewinnung aus Windkraft beschäftigt haben und bereit sind, eine vergleichsweise niedrige Gewinnspanne in Kauf zu nehmen, um ein Zeichen zu setzen. Als "Pionierarbeit im Landkreis Bamberg" bezeichnete es denn auch Trautmann-Popp, was Bund Naturschutz und Vierether Kuckucksei gemeinsam mit umweltbewußten Bürgern schaffen wollen. Immerhin: Der Strom, den der Wind bei Sassendorf schadstoffarm erzeugen könnte, deckt den durchschnittlichen Strombedarf von 600 Drei-Personen-Haushalten.
Deutlich machte die Diskussion auch, daß keine Zeit bleibt, umdie bestehende Planung zu optimieren. Entweder wird sie so verwirklicht, oder das Vorhaben ist auf lange Sicht "gestorben". Alle jetzt in Aussicht stehenden Fördermöglichkeiten durch den Bund und die Europäische Gemeinschaft gehen verloren, wenn die Finanzierung des Projekts nicht bis Ende März "steht".
Technische Details stellte Wolfgang Kropf vor, dessen Zapfendorfer Büro auch Sitz der Aerius Windkraftanlagen Beteiligungsgesellschaft mbH ist. Was am meisten interessierte: Der durch die Windkraft erzeugte Strom wird ganz in der Nähe des Sassendorfer Standorts in eine bestehende 20-KV-Leitung der Energieversorgung Oberfranken eingespeist. Der Vertrag mit der EVO sei in Arbeit und sehe die Abnahme von 1,1 Megawatt Leistung vor. Knapp 17 Pfennige je Kilowattstunde werden laut Trautmann-Popp zur Zeit gezahlt.
Auf dieser Rechengrundlage sind jährliche Einnahmen von rund 270 000 DM für die Gesellschaft angesetzt, basierend auf der durch Windmessungen errechneten Jahresleistung der Sassendorfer Anlage von 1,65 Millionen kWh. Spätestens im 18. Jahr wird die Einlagenhöhe der Investoren nach den am Montag vorgelegten Wirtschaftlichkeitsberechnungen überschritten sein.
Die Bereitschaft von Bürgern, für eine umweltfreundliche Kapitalanlage vor der Haustür auf manche Mark zu verzichten, die sie bei anderen Investitionen, insbesondere im Ausland, erzielen könnten, sei größer als mancher vielleicht erwarte, berichtete Wolfgang Degelmann von der BN-Kreisgruppe Hof. Sie ist seit mehreren Jahren an einer Betreibergesellschaft für eine Windkraftanlage bei Selbitz beteiligt. Weil potentielle Investoren quasi Schlange standen bzw. stehen, wurde jetzt ein zweites Projekt in Thüringen verwirklicht. Inzwischen sucht, so Degelmann, die in Norddeutschland ansässige Hersteller-Firma der Windkraftanlagen (Enercon) bereits Mitarbeiter in Nordbayern; die Investition in diese Art der Stromgewinnung schaffe sogar neue Arbeitsplätze in der Region.
Am 10. März wird sich entscheiden, ob die Windkraftanlage bei Sassendorf Wirklichkeit wird oder nicht. Dann soll die Gründungsversammlung der Beteiligungsgesellschaft im Grünen Saal der Harmonie (19 Uhr) stattfinden. Sollte der Aufwind nicht anhalten und sich abzeichnen, daß die erforderliche Summe von 1,7 Millionen DM nicht zusammenkommt, werde man das Projekt abblasen, sagte Trautmann-Popp am Montagabend. Bis dahin werde man aber nichts unversucht lassen, für das Vorhaben zu werben und Geldgeber zu finden - auch wenn manche andere Arbeit bei den beiden Vereinen zur Zeit liegen bleibe.
Jutta Behr-Groh
|