|
Bauanleitung für Fledermaushilfen
Bauliche Maßnahmen für spaltenbewohnende Fledermausarten im
Sommerquartier
Spaltenbewohner bevorzugen in der Regel eine frei anfliegbare Öffnung.
Außerdem wollen sich die Tiere beim Abflug etwa einen Meter tief "in den Flug"
werfen können. Die Öffnungen der meisten Quartiere liegen daher an senkrechten Wänden
oder Überhängen von Hausfassaden bzw. großen Räumen im Dachstuhl (vgl. Abb. 6), aber auch Fugen in Steinmauern
werden angenommen.
Um Fledermäusen Spaltenquartiere anzubieten, können folgende Hilfsmaßnahmen im
Bereich des Dachstuhls, der Gebäudefassade und an Steinmauern vorgenommen werden (vgl. Abb.6):
-
Auf dem Dachboden werden je nach Größe des Bodenraumes ein oder
mehrere "Fledermausbretter" (Abb. 2, 3) in einer Höhe von etwa 30 - 50 cm
unter dem Firstbalken zwischen den Dachsparren angebracht.
Die Innenseiten müssen stark aufgeraut - mindesteins sägerauh - sein,
damit Fledermäuse mit ihren Krallen beim Hinein und Hochklettern Halt
finden können.

Abb. 2: Anbringen von Fledermausbrettern auf einem Dachboden

|
Erklärungen zu den Linien:
Dachpappe oder schräges Deckbrett
Seitenleiste
Deckbrett
Grundbrett aufgerauht oder Nut- und Feder-Bretter
|
Abb. 3: Bau von Fledermausbrettern (Maße in cm).
Die angegebenen Maße sind Mindestmaße und können leicht abgeändert werden.
Ausgenommen ist die Weite des Hohlraumes hinter dem Brett oder der Verschalung,
die im Bereich zwischen 2 und 3,5 cm liegen sollte.
Abbildung nach STUTZ & HAFFNER 1993, verändert.
-
An der Gebäudefassade werden - ja nach baulicher Gegebenheit - Verschalungen (="Fledermausbretter") im Giebelbereich
oder im oberen Traufbereich angebracht (Abb. 4)

Abb. 4: Lage von Fledermausbrettern (=Verschalungen) an der Gebäudefassade im Giebel- und Traufbereich;
entsprechend an Erdern usw. Als Schutz vor Zugluft und aus
optischen Gründen bietet es sich an, mit Nut- und Feder-Brettern zu arbeiten. Wenn der Putz
rauh ist, spielt es für Fledermäuse keine Rolle, ob die Bretter senkrecht oder Waagerecht angebracht
werden.
Die Fledermausbretter können aus Nut- und Feder-Brettern hergestellt werden, die, je nach räumlicher
Gegebenheit, optisch vorteilhafter sein können (Abb. 5) und außerdem gegeneinander dicht abschließen.
Bei reuhem Putz oder anderen rauhen Wandflächen kann auf die Rückwand des "Fledermausbrettes"
verzichtet werden. Leistenrahmen und Deckplatte müssen jedoch fugendicht an das Haus angebracht
werden, um Zugluft zu vermeiden. Die Fledermäuse können so unter das Brett kriechen.

Abb. 5: Konstruktion von Verschalungen, die als Fledermausbretter dienen.
Links Maßstab 1:10, rechts 1:3.
Abb. z.T. nach STUTZ & HAFFNER 1993, verändert.
-
Bei Gebäuden mit flachen Dächern (Abb. 6) wird häufig eine umlaufende Aluminium- und/oder Holzverkleidung
o.a. am oberen Rand der Außenwände angebracht (vgl Abb. 7). Ihr Hohlraum
sollte eine lichte Weite von 2 bis 3,5 cm (entsprechend der Weite von Fledremausbrettern) aufweisen
und von unten zugänglich sein.

|
Erklärungen zu den Linien:
Hohlraum hinter Abschlußprofil
Holzverschalung
|
Abb. 6: Quartiermöglichkeiten am Flachdachgebäude


Abb. 7: Konstruktionmöglichkeiten für Fledermäuse nutzbarer Hohlräume am Flachdach. -
Nach STUTZ &HAFFNER 1993, verändert.
- Bei Dächern, die weit über die Mauern hinausragen, können Dachvorsprünge Fledermäusen als Quartier angeboten werden. Die in der Regel
holzverkleideten Vorsprünge bilden störungsfreie hohlräume, die nur zugänglich gemacht werden
müssen. Es reicht aus, wenn in die Holzverkleidung an der wandseitigen Seite einen Öffnung von etwa 5 cm Länge und 2,5 cm Breite gesägt wird.
-
Auch Mauerfugen eignen isch als Versteck (Abb. 8). Mehrreihige Steinmauern,
die mit einer Mindesthöhe von etwa 1,20 m geplant sind, sollen in den nach
jeweils außen zeigenden Steien in einer Höhe von etwa 0,90 bis 1,10 m
offene, also nicht vermörtelte, senkrechte Fugen aufweisen, die sich im
Mauerinnern verzweiben.
Die Fugenbreite sollte etwa 2 bis 3 cm betragen. Die Tiefe hängt von der
Größe der Steine ab, jedoch sollte sie 5 cm nicht unterschreiten. Das T-förmige
Ende kann z.B. die Breite eines Steines ausmachen, dann sich aber auch über
die Breite zweier Steine erstrecken. Grundsätzlic ist ein Spalt um so besser
geeignet je tiefer bzw. länger er ist. Hier ist jedoch darauf zu achten,
dass er an den hinteren Enden dicht abschließen muß, um zugluft zu vermeiden.
Die gesammte Mauer sollte übrigens mit Kalkmörtel, nicht mir Zement gefugt
werde, um den kalkliebenden Pflanzen der Mauervegetation, u.a. seltenen Farnen,
eine Besiedlung zu ermöglichen.

Abb. 8: Steinmauer mit senkrechten Fugen als Fledermausversteck.
Die Fuge ist am hinteren Ende T-förmig gestaltet, indem auch hier an
Mörtel ausgespart wurde. Bei tieferen Temperaturen ziehen sich Fledermäuse gern in
das T-Stück zurück, bei milder Witterung sitzen sie gern dicht am Eingang.
Entnommen aus: "Nistmöglichkeiten und Quartierangebote an Gebäuden für Vögel und Fledermäuse" (Kapitel 8),
herausgegeben vom Niedersächsischem Landesamt für Ökologie
|