Der Weinbau in Obbach

Auszug aus der Dorfchronik

Jahrhundertelang wurde in Obbach Wein angebaut: an den Lagen Mönchsberg, Rotenhahn (Rotenberg), Märzenberg und Fröschberg entlang den Wengertspfed wie am Sauberg wuchs auf über 4 ha "Obbacher Eigenbau". In den besten Qualitätsjahren 1904 und 1905 der Obbacher Wein sicher auch nicht allzu sauer. Und 1911 soll es sogar einen "ausgezeichneten Wein“ gegeben haben. jedenfalls haben die Mostschenken nicht ohne Zuspruch ihre Türen geöffnet. Ein Fichtenwedel oder Strohwisch (Rügwisch) an einer Stange war das Schild der Heckenwirtschaft. Zu Brot, saurem Käs und Nüssen getrunken, verhalf mancher Schoppen – sauer macht lustig! ‑ zu Stimmung, Gesang und Kanonenräuschen. Blessuren und Beulen hießen schlicht „Mostflecken". ‑ Doch schon 1929 schreibt nostalgisch der Chronist: "Die älteren Einwohner können sich noch wohl auf die fröhlichen Zeiten der Weinlese erinnern und gar mancher gedenkt wehmütig der Heckenwirtschaften, wo man einen Eigenbau für wenige Pfennige trinken konnte ‑ die heutige Jugend aber weiß von diesen schönen Dingen nichts mehr".

Schön war aber nur die Zeit der Lese: Die Jugend hatte schulfrei. Mit Fässern, Bottichen, Butten und Körben zogen die Familien aus. Wichtig waren die Feuerwerkskörper, Gewehre und Pistolen. Überall krachten die Waffen, auch kleine Böller auf Holzrädchen brummten mit zur fröhlichen Stimmung.

Aber ansonsten war Weinbau härteste Arbeit. Zehn Arbeitsgänge waren nötig:

1. Die Reben von der Schutzerde im Frühjahr abdecken, 2. Reben schneiden, 3. Pfähle einschlagen, 4. Reben anbinden, 5. Boden hacken, 6. vor der Ernte brachen, 7. zu starke Triebe entranken, 8. Trauben lesen, 9. Pfähle ausziehen und wieder auf Haufen stellen, 10. die Reben mit Erde abdecken zur Winterruhe.

 Sehr streng achtete die Obbacher Dorfordnung von 1660 auf den Schutz der Weinberge. Ein eigenes Kapitel ist ihm gewidmet:

 Wegen der Weinberg.

Item: So oft ein Mensch zur Herbstzeit, wann die Weinberg verboten sein, in eines andern Weinberg ohne desen Erlaubnis bei Tag betroffen würde, soll er um 5 Pf. einer Gemeindt gestraft werden, es sei ein Inwohner oder ein Auswärtiger. Geschieht es aber bei Nacht, soll , einer um 10 Pf. gestraft werden, halb der Herrschaft und halb der Gemein.

lterm: So ein Hund in obgemeldter Zeit in einem Weinberg betroffen würdt, solle derjenige, des der Hund ist, einer Gemein 15 Pf. zur Buß geben."

Aber 1910/1914 war mit dem Spaß und der Arbeit ein Ende. Der kalte Winter 1910/11 versetzte dem Weinstock in Obbach den Todesstoß, schlechte Weinjahre waren vorausgegangen, die Weinberge waren alt, vor Neuanpflanzung schreckte man zurück wegen der Arbeit, die Blattfallkrankheit (Peronospera) tat ihr Übriges. Eine jahrhundertealte Kultur war zugrundegegangen. Nicht freilich die Mostgöicker, Mostknupper und Weinknochen. Aber schon bald sollte das Bier dem Most und Wein den Rang ablaufen und statt seiner die Luft aus den Gläsern holen.

 

Der Hölle Big und der Jack. Am Weinberg "Höll" mit seiner kleinen Lese "Obbicher Pfarrstichle Silvaner Trocken und Herb" Hand gelesen und schnell gsuffn