Die Rechte der von Bobenhausen'schen Familie in Obbach (Aus dem Lehenbuch)

Die Reichsadel von Bobenhausen'sche Herrschaft hat dermalen das ganze Dorf Obbach inne und ist alles frei Eigentum mit Schäferey und Kirchweyh Wein zu schenken.

1. Pfarrecht: Es hat vorbemeldte Reichsadelige Hohe Herrschaft allhier die geistliche Gerechtigkeit und Pfarrbestallung, als das Jus vocandi, Präsentandi et Confirmandi (d. h. die Pfarrer zu berufen und einzusetzen) und alle andern Kirchenactis, incl. aller Vogteigebot und verbot, wie auch aller Vogteistraf und frevel.

2. Cent: Die 4 hohen Rug aber über Obbach als Mord, Diebstahl, fließende Wunden und Waffengeschrei und was sonsten dem Centschöpfen geklagt wird, gehören an die Hochfürstlich Würzburg’sche Cent nach Geldersheim und darf der Würzburg’sche Centgraf keinen Übeltäter allhier im Dorf abholen, sondern werden von hier aus bis an den Centstuhl vor das Wernecker Tor in Geldersheim geliefert.

3. Centkosten: Dafern auch Missetäter in der Cent einkommen und vom Leben zum Tod verurteilt und gerichtet werden, so gibt ein jeder Inwohner allhier zu Obbach an den Centkosten, sie mögen hoch oder niedrig sein, nicht mehr als 15 neue Pfennig.

4. Frohn: Es hat auch hohe Herrschaft auf allen und jeden Inwohnern zu Obbach sie seien gleich auf diesen herrschaftlichen oder fremdherrlichen Lehenhöfen oder Häusern, vor Zeiten ungemessene Frohn gehabt, jetzo aber gemessene Frohn mit der Hand und dem Zugvieh, nämlich: Es muss gegenwärtig sowohl Bauer als Söldner, keiner ausgenommen, für die sonst zu verrichten gewesenen Frondienste auf dem Hof Ruppertshain jährlich 2 fl. fr., den ersten um Johanni, den zweiten um Bartholomäi unfehlbar entrichten oder aber zur Erntezeit und Herbsten abzuverdienen schuldig und verbunden sind. Dann alljährlich und beständig jeder Bauer und Söldner gnädiger Herrschaft, wohin sie angewiesen werden, 10 Tag frohnen, wogegen einem Bauern mit 2 Pferden des Tages 4 Gr., einem einspännigen 2 Gr. und einem Söldner 2 Schill. oder 12 neue Pfg. (jedoch ohne weitere Kost, Brot oder Getränk) allezeit auf Petri Kathedra (= 22. Februar) ausgezahlt werden. Da aber die verakkordierten 10 Tage von Herrschaftswegen nicht sollten verlangt werden, soll ein ganzer Bauer für die nicht verrichtete Frohn von einem Tag 2 Gr., ein halber Bauer 1 Gr. und ein Söldner 1 Schill. oder 6 neue Pfg. pro Recognitione der Herrschaft vorlegen und bezahlen.

5. Botenlohn: Ein jeder Untertan ist auch schuldig und verbunden, im Erforderungsfall unweigerlich Boten zu gehen, nämlich 2 Meilen umsont und ohne Entgelt, was aber über 2 Meilen weitergehet, hat derselbe sich die Meile höher nicht denn mit 1 Gr. o.der 8 neue Pfg. bezahlen zu lassen.

6. Atzung und Lager, so die Herrschaft bei Einnehmung der Zins und Gült sonsten zu suchen gehabt, sind nun mehr gänzlich aufgehoben, weil gnädige Herrschaft jetzo selbsten allhier residiret.

7. Schatzung und Steuer aber, welche gn. Herrschaft au der Untertanen Vermögen sonsten Macht zu mehren oder zu mindern gehabt, soll künftig alljährlich und betändig mit 50 fl. Fr. zu Martini (=11.Nov.) bezahlt werden.

8. Nachsteuer: Ein jeder Inwohner, weicher verkauft hinausziehet, oder welche Person sich hinaus verheiratet, muss der hohen Dorfherrschaft je vom Hundert exportierenden Vermögens 5 fl. zur Nachsteuer entrichten.

9. Vogteigericht: Es hat auch hohe Herrschaft allhier Vogteigericht zu bestellen, Steinsetzer oder Vierer beeidigen und zu bestellen, Steine setzen zu lass Steinsetzern Ordnung zu geben und welcher Untertan wegen Verrückung oder Herausreißung der Steine wird schuldig befunden, denselben hat sie Macht zu strafen, und gebühret solches nicht den Centherren.

10. Elle, Maß und Gewicht zu besichtigen und wo man jemanden falsch findet, hat hohe Herrschaft den Betrüger nach Belieben zu bestrafen.

11. Erbhuldigung: Es sind alle Untertanen allhier der hohen Dorfsherrschaft einzig und allein mit der Erbhuldigung zugetan und müssen hoch derselben geloben schwören und sonsten niemand.

12. Reiß und Folge: Allhiesige hohe Herrschaft hat auch auf den Untertanen dahier Reiß und Folge (Kriegsdienstpflicht).

13. Eheberedung, Geburts‑ und andere Briefe: Es werden auch alle Kontrakte, Eheberedungen, Einkindschaften, Geburts- ­und Abschiedsbriefe, letzter Wille und dgl. durch die hiesige hohe Dorfsherrschaft über dero Untertanen aufgerichtet und konfirmieret.

14. Rauchhühner: Ein jedes Haus‑ und Hofrecht so gebauet, oder ein jeder Inwohner, so viel er häusliche Wohnungen hat, gibt von seiner derselben der Herrschaft ein Rauch‑ oder Fastnachthuhn, zu 22 Pfg, angeschlagen, und stehet der Herrschaft frei, die Hühner in natura oder das Geld dafür zu nehmen.

15. Schenkrecht: Die Schenkgerechtigkeit oder Wirtschaft hat die Herrschaft auch Macht zu verlegen oder gegen ein gewisses Umgeld jemanden zu verleihen, was aber einem jeden Untertan und Inwohner allhier in seinem eigenen Weinberg jährlich an Wein erwachst, den hat derselbe Macht, ohne Umgeld auszuschenken, vom Herbst an bis Weihnachten, länger und anders aber nicht. Branntwein hingegen haben die Branntweinbrenner 1/2 Maß weise, aber nicht geringer, noch Birnmost maßweise auszuschenken. Welcher aber dergleichen einkauft und ohne Erlaubnis ausschenket, der soll 20 Schill. zur Straf geben und wer Birnmost maßweis, auch Branntwein unter 1/2 Maß ausschenket, soll allezeit unnachläßig 1 fl. zur Straf erlegen.

16. Schafrieb: Es hat auch die hiesige Herrschaft des Dorfs Obbach die Schaftrieb, Hut und Weide auf ganzer hiesiger Markung einzig und allein Macht zu beschlagen, oder jemand anders um ein gewisses Bestandgeld zu verleihen und darf ein Schäfer hüten in der gehegten Flur, den Untertanen an ihren Früchten ohne Schaden und über Winters von Martini bis auf Walburgis in alles Gehölz auf Obbacher Markung. Desgleichen von Martini bis Petri auf allen Wiesen und wenn die Früchte abgeschnitten und vom Feld sind, auf die Korn‑, Weizen‑, Haber- ­und andere Stoppeln mit dem hiesigen Gemeinhirten zugleich zu betreiben und darf kein fremder Schäfer darauf hüten, tut es aber einer dergleichen und wird ergriffen, hat die Herrschaft Fug und Macht, denselben zu pfänden und darum abzustrafen.

17. Jagens‑ und Pirschgerechtigkeit: Die hohe und niedere Wildbahn, Pirsch‑, Hatz‑ und Jagensgerechtigkeit auf der Ganzen Obbacher Markung und in allen Gehölzern, auf der Markung gelegen, hat die hiesige Dorfsherrschaft einzig und allein, als: Schweine, Hirsch, Auerhahnen, Birkhühner, Rehe, Hasen, Füchs und Dachse, auch die Vogelweid, und ist alles frei lauter Eigentum, das man von niemand darf zu Lehen empfangen.