Die Synagoge

Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Obbach wurde in der Zeit um 1850 errichtet. Damals lebten mehr als 200 Juden in Obbach - dies entsprach ca. 30% der Gesamtbevölkerung.

Es handelte sich um ein stattliches Gebäude, das aus unverputzen Sandsteinquadern errichtet wurde. Im vorderen Giebel war das Eingangsportal, darüber 2 Fenster und eine Rosette. Rechts und links des Einganges befanden sich jeweils 2 weitere Fenster, die übereinander angeordnet waren.

Auf der Firstspitze des Giebels standen die beiden Dekalogtafeln, die Richtung Greßthal zeigten. Die Längsseiten des Gebäudes waren von jeweils 8 Fenstern geprägt, die mit kunstvollen Sandsteingewänden eingerahmt waren. Die Anordnung der Fenster (Übereinander) legt den Schluss nahe, dass die Synagoge Emporen hatte. Einzelheiten über die Einrichtung sind nicht mehr bekannt.

Die Information und Bilder wurden vom Arbeitskreis "Obbacher Juden" und hier besonders von Ev. Pfarrer Wolfgang Brändlein zusammen getragen. Pfarrer Brändlein möchte die Geschichte der Obbacher Juden aufarbeiten und das Leiden der Juden aufzeigen. Er hat Nächtelang die Kirchenarchive gewälzt, ältere Obbacher Bürger befragt und Bilder gesammelt. Vielleicht wird es eine kleine Ausstellung bzw. eine Erweiterung der Obbacher Dorfchronik

 

Die Juden waren ein großer und wesentlicher Teil der Obbacher Bevölkerung. Die Synagoge wurde am späten Nachmittag des 9. November 1938, in der Reichskristallnacht, von Schweinfurter SA Leuten in Brand gesteckt. 

synac.jpg (54677 Byte)

Überreste der ehemaligen Synagoge

1933 lebten noch 106 jüdische Personen in Obbach. Nur langsam ging in den folgen Jahren ihre Zahl zurück: am 15. Dezember 1935 wurden 101 jüdische Einwohner gezählt. Von November 1937 bis Oktober 1938 wanderten zwölf der Gemeindemitglieder aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde ein Teil der jüdischen Münner durch den Gendarmeriepostenführer von Geldersheim auf Anordnung des Landrates verhaftet und in das Gefängnis nach Schweinfurt gebracht. Acht Juden wurde durch SA-Leute aus Obbach in einer Wäscherei festgesetzt. Die Synagoge wurde geschändet und zerstört (s.u.), jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert, die Wohnungseinrichtungen zerstört, die Warenvorräte vernichtet. Juden wurden aus ihren Häusern gezerrt, misshandelt und zum Bürgermeisteramt getrieben. Gegen Abend kam es zu neuen Ausschreitungen, wobei das Haus eines Juden bis auf den Grund zerstört wurde. Bis 1941 konnten noch 39 jüdische Obbacher auswandern (30 in die USA, fünf nach Südamerika, zwei nach Südafrika, je einer nach Frankreich und Palästina). am 7. Februar 1942 lebten noch 36 jüdische Personen in Obbach. Von ihnen wurden 30 am 22. April 1942 über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert. Im Juni/September 1942 sind die letzten sechs jüdischen Einwohner in das Ghetto Theresienstadt verschleppt worden.