Die Obbacher Juden

1555 wurden die Juden aus der Stadt Schweinfurt ausgeschlossen. Erst 1830 kehrten wieder Juden dorthin zurück. In den benachbarten Dörfern Schweinfurt fanden die Juden Aufnahme: in Gochsheim, Schwanfeld, Niederwerrn, Euerbach und Obbach. Sie zahlten ein jährliches Schutzgeld, in Obbach an die Herrschaft derer von Seckendorf und durften daher in diesem Ort wohnen und einem Handwerk oder dem Handel nachgehen. Ihre Häuser gruppierten sie daher später um das Schloss, den Sitz ihres Schutzherrn. Hatten Herrschaften oder Ritter, die zugleich Schutzherren waren, Streit miteinander, so kam es vor, dass der Jude vom Gegner seines Schutzherrn verprügelt wurde: "Schlägst Du meinen Juden schlag ich Deinen Juden". Rechte hatten die Juden nicht viel (z.B. zu Wahlen, zu Gemeindeämtern); sie waren mehr oder weniger nur geduldet.

In Obbach bestand eine relativ große jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Um 1730 lassen sich erstmals jüdische Bewohner nachweisen. 1732 werden zwei Obbacher Juden unter den Besuchern der Leipziger Messe genannt.

Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1816 168 jüdische Einwohner (28 % von insgesamt 599), 1837 210 (29,0 % von 725), 1867 192 (28,7 % von 668), 1900 174 (28,7 % von 606), 1910 146 (22,3 % von 654). Die jüdischen Familien wohnten zumeist in eigenen Häusern im Bereich der Synagoge und des jüdischen Gemeindehauses. Die meisten von ihnen hatten Grundbesitz. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Vieh- und Pferdehandel. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere im Besitz jüdischer Familien befindliche Warengeschäfte und Handlungen vor Ort, darunter auch jüdische Metzgereien. Die meisten Familien hatten auch landwirtschaftlichen Besitz.

Nur wenige Juden haben das Dritte Reich überlebt durch rechtzeitige Auswanderung nach den USA, nur Zwei (Siegfried Ramsfelder, der Zweite Namen ungewiss Sommer??) soll das Konzentrationslager überlebte haben. Im Laufe des 19. Jahrhunderts brachten es manche Juden zu Wohlstand durch Geldgeschäfte, Vieh -, besonders Pferdehandel, Metzgereien, Handel und Geschäfte. Pferde z B. wurden bis aus Polen, Belgien, Frankreich importiert und beim Eintreffen solcher Transporte kamen Bauern aus halb Unterfranken nach Obbach zum Tausch oder Kauf. Dorfstraßen und Wirtshäuser glichen oft einem Jahrmarktbetrieb.

Fünf Judenmetzger versorgten nicht nur Obbach sondern, auch die ganze Umgebung mit geschächteten Fleisch, das den alttestamentlichen Vorschriften entsprechend geschlachtet und untersucht worden war. Große Umsätze der Händler, Schmuser und Handwerker ließen durch die steuerlichen Abgaben die Gemeindekasse erheblich zunehmen. Das Zusammenleben von jüdischen und christlichen Einwohnern verlief ohne Reibungen und Differenzen. Abgesehen vom Treiben solcher wie z.B. des Bankiers Abraham Frankenburgen der wohl schockweise Bauernhöfe zu Bankrott und Versteigerung brachte. Er war Millionär in Obbach geworden, aber berüchtigt in ganz Unterfranken. Zwei Totschlagversuche an ihm scheiterten. Aber dieses Bild ist nicht typisch für die Juden in Obbach.

Die Obbacher lebten von und mit ihren Juden.

So seien die Namen der Obbacher Judenfamilien der Erinnerung anvertraut:

Adolf Rund  Viehhändler, mit landw. Besitz
Abraham Schloss Kolonialwaren und Stoff-Händler
Zadock Strauß Viehhändler
Wolf Fränkel Viehhändler, mit landw. Besitz
Lehmann Ramsfelder Metzgerei, Viehhandel, mit landw. Besitz
Hirsch Kammermacher Kleinwaren, Hausieren
Klara und Johanna Königsberger
Hieronymus Blank Kolonialwaren und Samenhandlung, mit landw. Besitz
Michael Schloss Schuhwaren und Stoffe
David Blumenthal Hauswaren, Öfen, Herde, landw. Geräte und Maschinen
Gerson Wolf Viehhändler, mit landw. Besitz
Abraham Fleischmann Metzger
Bernhard Fleischmann Bauer
Lehmann Bildstein Kolonialwaren und Schuhe, Pferdehandel
Nathan Bravmann Kolonialwaren und Schuhe, mit landw. Besitz
Moses Schloss Stoffe
Willi Fränkel Kolonialwaren
Adolf Sommer Makler
Adolf Rosenstock Schafe-, Kälber-, Ziegenhändler, mit landw. Besitz
Adolf und Arnold Schloch Bäckerei, Getreide- und Mehlhandel, mit landw. Besitz
Abraham und David Fränkel Metzger und Viehhandel
Mendelsohn Fränkel Viehhändler
Lyon Kronenthal Pferdehändler, Polsterei, mit landw. Besitz
David Julius Fleischmann Metzger, mit landw. Besitz
Abraham Bildstein Pferdehändler, mit landw. Besitz
Willi Ramsfelder Pferde- und Viehhändler, mit landw. Besitz
Nathan Blatt Lehrer, Vorsteher der israel. Kultusgemeinde
Dr. Theodor Einstein Arzt, im 1. Weltkrieg Oberstabsarzt

 

Von den in Obbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): 

Beate Bildstein (1927), Else Bildstein geb. Bloch (1891), Gerhard Bildstein (1899), Julius Bildstein (1932), Ludwig Bildstein (1876), Manfred Bildstein (1924), Jette Blank (1860), Regina Blank (1865), Sabine Blank (1868), Jeanette Blumenthal geb. Sonnenberg (1874), Isaac Bravmann (1882), Nelka Bravmann geb. Schloss (1879), Rita Bravmann (1923), Siegbert Bravmann (1927), Simon Bravmann (1878), Simon Bravmann (1892), Bernhard Fleischmann (1882), Isidor Fleischmann (1922), Leonhard Fleischmann (1882), Lore Fleischmann (1931), Luise Fleischmann geb. Schlorch (1892), Fanny Fränkel (geb. ?), Hermann Fränkel (1880), Jette Fränkel geb. Bacharach (1876), Julie Fränkel geb. Lippmann (1884), Rosa Fränkel geb. Schloss (1884), Willy Fränkel (1872), Wolf Fränkel (1879), Ida Frank geb. Schlorch (1883), Josef Goldstein (1922), Leopold Goldstein (1910), Regina Goldstein geb. Goldstein (1881), Kerry Jacobssohn geb. Kronthal (1897), Rosalie Kannenmacher (geb. ?), Ferdinand Kronthal (1893), Jenny Kronthal (1884), Leo Kronthal (1892), Sally Kronthal (1905), Amalie Kuhn geb. Schloss (1878), Arthur Ramsfelder (1898), Edith Ramsfelder (1937), Emma Ramsfelder geb. Gottlob (1908), Julius Ramsfelder (1891), Rike Ramsfelder (geb. ?), Adolf Rosenbusch (geb. ?), Paula Rosenbusch (geb. ?), Christine Rund (geb. ?), Ernestine Rund (geb. ?), Arnold Schlorch (1880), Emil Schlorch (1877), Lilie Schlorch geb. Schlorch (), Rosa Schlorch geb. Fleischmann (1877), Samuel Schlorch (), Selma/Susi Schlorch (1894), Sofie Schlorch geb. Silbermann (1883), Meta Schloss geb. Adler (1887), Michael Schloss (1885), Moses Schloss (1883), Heinrich Steuermann (1881), Klara Strauss geb. Ramsfelder (1869 oder 1873), Zadok Strauss (1869), Maria Zanewitzki (geb. ?), Sali Zanewitzki (geb. ?). 

aus der Dorfchronik von Pfarrer Löblein, vieles aus der Erinnerung von nicht genannten Zeitzeugen

 

mehr Informationen unter http://www.alemannia-judaica.de/obbach_synagoge.htm