Der Obbacher Dorfverschönerungsverein

Der Obbacher Dorfverschönerungsverein hat sich zur Aufgabe gemacht durch verschiedene Aktivitäten Obbach zu verschönern

Artikel im Schweinfurter Tagblatt vom 17.Oktober 2016 zur Eröffnung der Staatsstraße 2290 (Hauptstraße).

Kurvendorf hat Modellcharakter für ganz Bayern

Zum Tag der Innenentwicklung wurde die Staatsstraße 2290 in Obbach eröffnet

 

Kurvendorf hat Modellcharakter für ganz Bayern

Uralt-Aschenbau, Milchsammelstelle, Betonbushaltestelle: In Obbach hatte innerorts nicht gerade Glamour geherrscht in den Zeiten vor der Dorferneuerung, an die sich Ewald Schirmer erinnerte. Nun, beim feierlichen Auftakt zum „Tag der Innenentwicklung im Oberen Werntal“, durfte der Vizebürgermeister augenzwinkernd feststellen: „Obbach ist das erste Dorf im Landkreis.“ Zumindest, wenn man von Kissingen her komme. Uralt-Aschenbau, Milchsammelstelle, Betonbushaltestelle: In Obbach hatte innerorts nicht gerade Glamour geherrscht in den Zeiten vor der Dorferneuerung, an die sich Ewald Schirmer erinnerte. Nun, beim feierlichen Auftakt zum „Tag der Innenentwicklung im Oberen Werntal“, durfte der Vizebürgermeister augenzwinkernd feststellen: „Obbach ist das erste Dorf im Landkreis. “Zumindest, wenn man von Kissingen her komme. In der Programmfolge des Informations-Wochenendes mit Leuchtturmprojekten der Ortskern-Revitalisierung von Bergrheinfeld bis Oerlenbach befanden sich die Obbacher am Samstagvormittag ebenfalls auf Platz eins. Bei kühlem, aber klarem Oktoberwetter wurde die sanierte Ortsdurchfahrt ihrer Bestimmung übergeben. Dazu spielte die Sömmersdorfer Heimatkapelle auf. Bürger und Vertreter von Allianz, Politik und Vereinen trotzten der Kälte. Innenstaatssekretär Gerhard Eck hatte sich schon bei der Anfahrt im „Paradies Franken“ gewähnt: „Überall wo Arbeitsplätze entstehen, wo die Wirtschaft wächst, da braucht es auch Verkehrsachsen“, meinte der stolze politische Wegbegleiter auf der ebenfalls sanierten Kirchentreppe inmitten eines historischen Ensembles aus evangelischer Kirche, Pfarrhaus, Denkmal und Schlossgut. Ein bayerisches „Vorzeigeprojekt“, so Eck, der in der neuen Ortsmitte einen Gegenwert von fast vier Millionen Euro entdeckt. Bürgermeister Arthur Arnold spricht vor allem von „Jahren der Anstrengungen“, mit Beeinträchtigungen für Anwohner und Verkehr. Nicht alle Kosten schulterten Freistaat und Dorferneuerung, fast eine halbe Million Euro flossen auch in die Kanalisation des Zweckverbands. „Bevor wir an dieser Straße festfrieren, wollen wir sie segnen“, meinte zuletzt Pfarrer Markus Grzibek, der zusammen mit dem evangelischen Amtskollegen Andreas Duft die geistlichen Worte sprach. Dann wurde das Band durchschnitten. Im wärmeren Festzelt am Feuerwehrhaus folgten weitere Grußworte. „Der Ortskern steht im Mittelpunkt, auch wenn der eine oder andere noch ein kleines Baugebiet ausweist“, stellte Arnold seine Prioritäten in der Allianz klar. „Vor zehn, zwanzig Jahren hat's hier noch anders ausgesehen“, erinnerte der Bürgermeister, zufrieden über das Zusammenspiel von privater und öffentlicher Hand. Die seit 2003 laufende Dorferneuerung fand rasch überörtliches Interesse – bei einer chinesischen Studentengruppe ebenso wie Besuchern aus dem französischen Calvados. Nicht zuletzt beim 2008 verstorbenen Professor Matthias Reichenbach-Klinke, Bauplaner der TU München. „Es bleiben noch Baustellen“, sagt Arnold, etwa am Bach, Dorfgraben und Ortsausgang: „Auch das werden wir in dieser Legislaturperiode noch hinbekommen.“ Bei der Reststrecke von 300 Meter stehe die Gemeinde bereits in Gesprächen mit den Grundstückseigentümern, sagte Arnold gegenüber dieser Zeitung und sieht einen „positiven“ Verlauf. In einem Fall habe man bereits die Baufreigabe. „Diese Tage haben schon Modellcharakter für ganz Bayern“, meinte Ottmar Porzelt als leitender Baudirektor im Amt für ländliche Entwicklung (ALE), der anderswo Vergleichbares vermisst. 3,1 Millionen Euro seien in die Dorferneuerung investiert worden, es gab über zwei Millionen Euro Zuschüsse. „Die letzten 300 Meter werden auch gebaut.“ Ganz schmerzfrei sei es nicht gelaufen, ein bisschen was koste es auch die Anwohner. Auch Landrat Florian Töpper will jungen Familien die Bedeutung von Innenentwicklung klarmachen. Ansonsten sei die Straße jetzt frei: „Die Kreisräte, Bürgermeister und auch die normalen Menschen können jetzt durchfahren“, stellte Töpper fest und erntete Heiterkeit. Manfred Hock blickte als Sprecher der Dorferneuerung auf die Anfänge in den 1990er Jahren mit dem Aschenbau als Urprojekt. 2001 gründete sich der Arbeitskreis Dorferneuerung. Ab 2003 ging es in die Vollen mit Projekten wie Mühlbachrenaturierung, Rathaussanierung, Dorfplatz, Kirchentreppe und einigem mehr. Vor allem die „Baustelle Ortsmitte“ war das (gefühlt) größte Straßenprojekt seit 1846. Damals wurden in dem kurvenreichen Dorf erstmals „trostlose Wegeverhältnisse“ beseitigt, von denen die Chronik berichtet. Auf Kürbissuppe mit Sonnenblumenkernen und Bio-Krustenbraten folgten Führungen. Die Bauhütte informierte zur fränkischen Baukultur, die sanierte Scheune in der Bäckergasse, das Schlossgut und das alte Rathaus öffneten ihre Tore.