Schauspiel frei nach Friedrich Schiller
9. und 11.11.2005
Passend zum 200. Todesjahr Friedrich Schillers (seit 1802
"von Schiller") präsentiert die Theatergruppe des Gymnasiums Bad
Königshofen mit dem "Wilhelm Tell" ein berühmtes Werk dieses Autors,
der neben Goethe als der bedeutendste Autor der deutschen Klassik
gilt. Viele seiner Theaterstücke gehören zum Standardrepertoire
der deutschsprachigen Theater. Seine Balladen zählen zu den bekanntesten (und bei den Schülern
nicht immer beliebten) deutschen Gedichten.
"Daneben ist er aber auch ein politischer Autor, der die
Vernunfts-, Humanitäts- und Freiheitsideale am Ende des 18. Jahrhunderts ohne
Kompromisse in der Literatur zum Ausdruck brachte. In Schillers eigenen Worten
gesagt ist der 'Bau einer wahren politischen Freiheit' das „vollkommenste aller
Kunstwerke“ ('Zweiter Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen')"
(WIKIPEDIA, "Friedrich Schiller", 31.10.2005).
Ganz beiläufig soll noch erwähnt werden, dass Schiller in Marbach
am Neckar geboren wurde, und zwar am 10. 11. 1759. Schillers Geburtstag liegt
also genau zwischen unseren beiden Aufführungsterminen !
Das Schauspiel "Wilhelm Tell" wurde 1803-1804 von Friedrich Schiller geschrieben und am 17. März
1804 am Weimarer
Hoftheater uraufgeführt. Goethe, der 1775/76 in die Schweiz gereist
war, hatte seinen Dichterfreund mit der
Sage bekannt gemacht und ihm seine Eindrücke von der Gegend geschildert.
"Schiller, welcher niemals dort gewesen war, aber sich als Historiker gut
zu unterrichten wusste, schrieb darauf das Tell-Drama in fünf Aufzügen. Er
stellt in seiner Interpretation den Schritt Tells aus der Naivität heraus dar,
in die er nach dem Tyrannenmord nicht wieder zurückkehren kann. Während Tell zu
Anfang des Stückes intuitiv handelt und alles mit wortkargen Kurzstatements
abzutun weiß, wird er im letzten Aufzug zu einer redegewandten, fast schon
philosophischen Gestalt. Schon im 19. Jahrhundert wurde dieser fünfte Aufzug
allerdings entweder stark gekürzt oder gar nicht gespielt, da gemäss der seit Ludwig Börne
herrschenden Lesart Tell hier eine unzeitgemäße Auffassung von Natur und
Freiheit zum Ausdruck bringt". (WIKIPEDIA, "Wilhelm
Tell", 31.10.2005)
Klassiker sind häufig Gegenstand von Schultheateraufführungen,
und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst einmal sind sie recht bekannt und
bieten sich deshalb an. Sodann passen sie gut in den Lehrplan des
Deutschunterrichts und werden daher von den Germanisten begrüßt. Vor allem aber
sind ihre Autoren schon seit längerer Zeit verstorben, sodass die Pflicht zur
Zahlung von Tantiemen entfällt, und schließlich bieten sie eine Vielzahl von
Rollen, was gerade bei großen Spielgruppen von Bedeutung ist, da jeder Schüler
ja gerne eine Rolle hätte, in der er etwas sagen darf.
Doch liegen gerade in den Klassikern auch große Gefahren für das
Schultheater. Da der Stoff, wie schon gesagt, bekannt ist, trägt er oft nicht
gerade zur Steigerung der Attraktivität der Aufführung bei. Hinzu kommt, dass
zwischen dem literarischen Anspruch des Textes und den Möglichkeiten von
Schauspielern in jugendlichem Alter ein kaum zu überbrückender Gegensatz
besteht, der allzu leicht zu jener Art von Schultheater führt, die keiner
wirklich sehen möchte und deren Publikum vorwiegend aus den begeisterten Eltern
und Großeltern der Akteure besteht.
Dies hatten wir durchaus im Hinterkopf, als wir uns ans Werk
machten. Starke Kürzungen waren schon im Interesse der Schauspieler
unvermeidbar, taten aber auch der Dynamik der Handlung gut. Schillers Pathos
musste mit einer gewissen Heiterkeit und Ironie umspielt werden, um nicht
unfreiwillig albern zu wirken, und schließlich musste das Ganze noch irgendwie
in der Welt der Schüler verankert werden, wozu die Schulklasse dient, welche
nicht nur weitere Rollen schuf, sondern uns auch einen epischen Erzähler
ersparte. In dieser Aufführung führten erneut die beiden Theaterleiter unserer
Schule, Andreas Bördlein und Wendelin Seufert, gemeinsam Regie und ergänzten
sich gegenseitig.
Außenstehende halten Schultheater oft für bloßes Rezitieren von
Texten und belanglose Spielerei. Sie beweisen damit lediglich ihre
Ahnungslosigkeit. In Wahrheit nämlich bemüht es sich um eigene kreative Ansätze
und ermöglicht den Schülern eine Auseinandersetzung mit dem Gehalt und der
Wirkung von Texten. In monatelanger
Arbeit studieren sie ihre Rollen ein, erlernen die Körpersprache, üben das
deutliche Sprechen auf der Bühne, erfahren etwas über das Wesen des Theaters
und das Menschsein im Allgemeinen, fügen sich in ein Team ein und kooperieren
mit anderen, gewinnen vor allem Selbstvertrauen und Sicherheit. Dies zeigt,
dass Schultheater eigentlich unverzichtbar ist. An Nachwuchs mangelt es uns
dabei nicht. Ganz im Gegenteil: Jahr
für Jahr steigt das Interesse und stellt uns immer häufiger vor die Frage, wie
wir das noch bewältigen sollen.
Andreas Bördlein, Wendelin Seufert
Fotos der
Aufführung:
Intro: Die Schulklasse ("We will
Wilhelm Tell you!")
Aufstellung des Huts
Festnahme Tells
Der Apfelschuss
Attinghausens Tod
"Durch diese hohle Gasse muss er
kommen!"
"Er verblutet sich!" - Geßlers
Tod
Die Darsteller:
Ann-Kathrin
Diller, 10a Wilhelm
Tell
Simon
Zimmermann, 10c Landvogt
Geßler
Mareike
Wehner, 9b Freifrau
von Attinghausen
Julia
Schmalen, 10c Irene
Stauffacher
Lisa
Sterzinger, 10b Frau
von Melchthal
Sophia
Hergenhan, 9a Waltraud Fürst, Reiter des Landvogts
Verena
Behr, 10a Lehrerin
Eva Helmerich, 9a Hedwig
Tell
Lea Schumm, 6c Walter
Tell
Constanze
Schmidt, 6a Wilhelm Tell jr., Schülerin,
Ministrant
Michaela Manger, 10a Bertha, Alpenjäger
Richard
Michaelis, 8b Rudenz
Anna
Dömling, 8a Rudolf
der Harras, Alpenjäger
Clara
Gehweiler, 8b Frieshardt
(Büttel)
Josef
Hanslmeier, 9b Leuthold
(Büttel), 2. Gesell
Karina
Krampf, 9a Steinmetz,
Schülerin, Trunkenbold
Isabell
Müller, 10a Alpenjäger,
Fronvogt, Frau
Lucca Schumm, 9a Ruodi
(Fischer)
Lisa
Jeanrichard, 10c Schülerin,
Fischer, Frau
Lisa
Herold, 10a Schülerin,
Fischer, Frau
Hanna
Werner, 9b Pfarrer,
Hirte, Schülerin
Johannes
Guck, 10b Baumgarten
Mona
Lurz, 9a Alpenjäger, Trunkenbold, streitbare
Frau
Lisa
Weigand, 10b Reding
Lilo
Pabst, 8a Reiter,
Schülerin
Theresa
Nöth, 9b Schülerin,
1.Gesell, Hirte
Eva
Mathe, 9c Werni,
Ausrufer
Nadine
Balling, 9a Seppi,
Armgard
Corinna
Krämer, 9b Schülerin,
Hirte
Johanna
Jetschni, 9a Kuoni,
Stüssi
Bühnenbild: die Theatergruppe
Technik: Stefan Krampf, Lorenz
Bießmann, Julian Noppmann, Carsten Dollinger (alle K 12); Christoph Hebig, Jonathan Linke, David
Förster, Fabian Rützel, Christian Düsing (alle 8c)
Regie: Andreas Bördlein, Wendelin Seufert